Utopie ohne Entschuldigung
Es gibt einen Satz, der wie ein Fluch über der europäischen Linken der letzten dreißig Jahre liegt. Fredric Jameson hat ihn nicht selbst geprägt, aber er hat ihn popularisiert: Es sei heute leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Der Satz wurde so oft zitiert, dass er seinen Schrecken verloren hat. Er wurde zur Diagnose, dann zur Bescheidenheitsgeste, schließlich zur Entschuldigung. Wer nicht mehr weiß, wo es hingehen soll, verwaltet den Ist-Zustand – und nennt es Pragmatismus.
Weiterlesen →Das S-Wort
Kevin Kühnert, der Juso-Vorsitzende, hat es getan. Und das am 1. Mai. Er hat das S-Wort benutzt, von Kollektivierung gesprochen, überhaupt von Grenzen des Eigentums. In einem Interview für die ZEIT meinte er, es sei vorstellbar, dass große Konzerne deren Belegschaft gehören könnten. Weiter stellte Kühnert die Notwendigkeit von Wohnungseigentum in Frage, welches nicht dem Eigenbedarf diene. Die Reaktion aus den Erregungszentren von Medien und Politik folgte stehenden Fußes.
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